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Hausforschung

In Baden sind Fachwerkhäuser seit der Mitte des 15. Jahrhunderts nachweisbar. Eine besonders rege Bautätigkeit lässt sich nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-48) verzeichnen. Infolge eines wirtschaftlichen Aufschwungs, der etwa 1680 begann und bis 1750 andauerte, entstanden zahlreiche Fachwerkbauten, unter anderem auch das heutige Heimatmuseum. Am vorderen Eckpfosten des  Hauses sind die Namen der Bauherren und das Baudatum eingeritzt: „Franz und Josephine Wetter; 1694."
Auf dem Anwesen stehen ein Wohnhaus, ein Ökonomiegebäude und ein Backhaus.
 
Das Wirtschaftsteil ist leicht versetzt an der Rückwand des Hauptgebäudes angebaut (Streckgehöft). Hier befanden sich der Kuhstall, in der Mitte die Tenne, dahinter ein Pferdestall und in einem angegliederten Schuppen der Schweinestall. In der linken Hofecke steht das Backhaus mit einem großen Ofen.
 
Das Wohnhaus verfügt über zwei Geschosse und ist mit einem abgewalmten Satteldach gedeckt.
Die wichtigsten und tragenden Holzteile eines Fachwerkhauses (Grundsäulen) sind die Ecksäulen und die senkechten Pfosten, auf welche im Inneren eine Wand stößt. Meist sind diese durch geneigte angeschlossene Streben (Büge) stabilisiert.
Die Fächer zwischen dem Holzgerüst (Rahmengefüge) sind mit Lehmflechtwerk, das heißt mit Flechtwerk und beidseitigem Strohlehm-Bewurf, ausgefüllt.
Die vordere Zone des Erdgeschosses bis zum Kamin besteht aus massivem Bundsandstein. Dies dürfte wohl von der städtischen Bauweise übernommen worden sein und dient zum einen der Feuersicherheit und zum anderen der besseren Isolierung.
In das Giebelfeld (an der Straßenseite) ist eine Laube eingelassen. Sie hat natürlich schmückende Charakter, weist jedoch auch praktische Vorteile auf, da sie zur Belüftung des Dachraums beiträgt. Dort wurde das Heu getrocknet. Um die Maueröffnung vor starkem Regen zu schützen, wurde das Dach abgewalmt (Halbwalm).
Die Fensterläden sind sicherlich keine regionale Eigentümlichkeit; normalerweise findet man sie eher in Alpennähe, wo sie gegen zu starke Sonneneinstrahlung schützen.
Aufgrund seiner Raumeinteilung kann man das Erdgeschoss als quergeteiltes Küchenflurhaus bezeichnen – eine Grundrissform, welche seit etwa 1300 nachweisbar ist.
Küche und Flur bilden dabei eine zentrale Raumeinheit, an welche sich rechts und links zwei weitere Raumfluchten anschließen. Somit ergibt sich eine dreizonige Einteilung mit je zwei Räumen.

Vom Hof führt der Hauseingang in die Diele und die dahinterliegende Küche.
Rechts davon gelangt man in die Stube und in eine Schlafkammer (jetzt Archiv), an welche die Wand der Vorratskammer anschließt. Der Wohnraum war also dort eingerichtet, wo der Bauer sowohl die Straße als auch den Hof überblicken konnte.

Links der Diele liegt ein Raum, der als weitere Wohnstube oder aber als Schlafkammer genutzt wurde. Da er Wand an Wand mit dem Stall liegt, weist er zwei Vorteile auf: zum einen hört man hier alles, was im Stall geschah und zum anderen wurde die Kammer vom Stall miterwärmt. Der Raum dahinter ist durch die Küche zugänglich und wurde wohl zur Verarbeitung von Ernteerträgen benutzt.

Das Obergeschoss ist etwas anders aufgeteilt. Hier befinden sich eine weiter Küche, Wohn-, Schlaf- und eventuell auch Arbeitsräume. Grundsätzlich waren nur die Wohnräume beheizbar; die Räume die nicht beheizt werden konnten, nennt man Kammern.

Der Dachstuhl verfügt über eine Oberbühne, das heißt er ist zweistöckig, sodass es genug Platz für die Lagerung von Ernteerträgen gab. Ein eigener Raum zum Waschen oder baden war, wie allgemein üblich, nicht vorhanden. Die Toilette befindet sich außerhalb des Wohngebäudes an der Rückseite des Hauses bzw. in dem Ökonomiegebäude.
Unterhalb der Diele sowie den zum Stall orientierten Räumen liegt der Keller. Zugänglich ist er durch die diele und vom Hof, der Schattenseite des Hauses, um die gelagerten Lebensmittel vor allzu großer Wärme zu schützen. Außerdem befinden sich hier der hauseigene Brunnen und die Sickergrube.

Architektonische Gestaltungen sind grundsätzlich von der sozialen Stellung der Bauherren, der Wirtschaftsweise, dem Klima, den Bodenverhältnissen, der Art des Bauplatzes und natürlich regionalen Besonderheiten geprägt. Dies sind alles Faktoren, die nicht unabhängig voneinander gesehen werden können.
In diesem Falle kann man auf eine beträchtliche Wohlhabenheit der Bauherren schließen denn in der Regel waren die Bauernhäuser dieser Region nur zweizonig (die Räume an der Hofrückseite fehlen), und auch nur ein- oder eineinhalbgeschossig. Des Weiteren verweisen die Größe des Ökonomiegebäudes, ein eigener Brunnen und das Backhaus auf eine recht gute soziale Stellung der ursprünglichen Besitzer.
Laubenhäuser und abgewalmte Giebelspitzen sind im Elsass während des 16. und 17. Jahrhunderts aufgekommen.
Auch der Gegensatz zwischen dem schmucklosen Erdgeschoss und der darüber liegenden fachwerkverzierten Fassaden sowie deren Asymmetrie erinnern an linksrheinische Bauten. Die Beziehung zum Elsass mit seiner Hauptstadt Straßburg hatte sich aus wirtschaftlichen, kirchlichen und zeitweise auch politischen Verflechtungen ergeben.

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