Hafnerware

Überall dort, wo es in Baden gute Tonvorkommen gab und sich Absatzmöglichkeiten boten, sind vom 16. bis ins 20. Jahrhundert kleine Hafnereien nachzuweisen.
Bei der volkstümlichen Keramik handelt es sich hauptsächlich um bleiglasierte Irdenware. Ton entsteht durch die Verwitterung von Feldspangestein. Nach seiner Aufbereitung wird der geformte Ton bei bis zu 1000° Celsius gebrannt; durch die Glasur wird der Scherben wasserundurchlässig.
Charakteristisch für die Hafnerarbeit des südwestdeutschen Raums ist die rote bis tiefbraune oder auch schwarze Grundierung der Gefäße. Die bevorzugten Farben der Schlickmalerei sind gelb und grün. Häufige Motive sind Blumen, Ranken, Bänder, Linien und Punkte, gelegentlich auch figurale Darstellungen oder Textaufschriften.
Seit Beginn des 18. Jahrhunderts unterscheidet sich die Irdenware für die weniger begüterte Landbevölkerung von der für die wohlhabenderen Stadtbewohner. Der Unterschied betrifft vor allem die Qualität der Objekte. Der Grund dafür sind unter anderem die sozialen Verhältnisse der Kundschaft und die weniger großen Ansprüche der Landmeister an ihre Gesellen.


Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde die Hafnerware vom Markt gedrängt. Im 18. Jahrhundert waren Fayencemanufakturen (z.B. in Baden-Baden und Durlach) und Steingutfabriken entstanden, außerdem war das Angebot an preisgünstigen Porzellanen immer größer geworden. Insbesondere das Steingut wurde, wegen seiner geringen Herstellungskosten, zum stärksten Konkurrenten der Irdenware.
Die Gewerbefreiheit (1862) ermöglichte den raschen Anstieg der keramischen Fabriken. Hinzu kam, dass größere Betriebe in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Magazine oder Läden einrichteten, welche für den überregionalen Vertrieb der Waren sorgten. Dies gilt übrigens genauso für Möbel oder Kleidung. Außerdem orientierte sich die Landbevölkerung zunehmend an den städtischen Lebensgewohnheiten.


Immer mehr Hafner gaben ihre Betriebe auf und nach der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte das gesamte Handwerk seine führende Rolle an die Fabriken abgeben müssen.

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