Volksfrömmigkeit

Im bäuerlichen kleinbürgerlichen Leben des 19. Jahrhunderts spielte die Religiosität eine große Rolle. Sie strukturierte den Jahreslauf durch Kirchgang, Feier- und Festtage sowie durch Bräuche.
Aber auch in vielen Bereichen der Alltagskultur spiegelte sich die Frömmigkeit der Menschen wieder. Zeugen sind religiöse Bilder an den Zimmerwänden, Skulpturen und heilige Symbole auf Werkzeugen und Geräten für die Haus- und Feldwirtschaft.


Den Mittelpunkt der familiären Frömmigkeit, stellte seit dem 17. Jahrhundert der Herrgottswinkel im Wohnzimmer dar. In der Tischecke hing ein Kruzifix. Hier betete man um das tägliche Brot und um Hilfe in allen Notlagen. Aber auch in der Küche und den Schlafzimmern waren religiöse Objekte zu finden.
Die Darstellungen setzen theologische Inhalte in eine bildliche form um. Sie erinnern an heilige Personen und deren vorbildliches Leben und sollten den Betrachter emotional ansprechen. Dies bedeutete, dass sie der Andacht (Gebet) dienten. Drüber hinaus hatten sie natürlich auch schmückende Funktion.


Voraussetzung dafür, dass sich religiöse Objekte verbreiten konnten, waren neue Vervielfältigungstechniken (z. B. die lithographische Schnellpresse), welche zu einem größeren Warenangebot und einer Auflagensteierung führten, und schließlich die niederen Preise ermöglichten. So kann man hauptsächlich seit den siebziger  Jahren des 19. Jahrhunderts von einer Blütezeit der Wandschmuckindustrie und der großen lithographische Kunstanstalten in Frankfurt/ Main, Berlin, Breslau, Dresden oder Neurode in Schlesien sprechen. Sie deckten den Markt mit den billigen Massenprodukten, welche hauptsächlich mit der Eisenbahn verschickt wurden. 

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